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Weltcup Finale in Hemsedal/Norwegen

Tuesday, 07 Mar 06 @ 07:48 pm

Nach drei sehr professionellen Weltcupveranstaltungen in Valdaone, Saas Fee, Busteni und einer eher Missglückten in Spicak, waren wir alle sehr gespannt, was uns beim großen Finale in Hemsedal erwarten sollte.
Leider zeichnete sich schon in den Wochen vor dem Bewerb ab, dass die Organisatoren mit großen technischen und finanziellen Problemen zu kämpfen hatten. Da ich schon zwei Wochen vor dem Bewerb nach Norwegen gereist war, war ich doch sehr verwundert, dass noch nicht einmal die Grundkonstruktion fertiggestellt war. Obwohl man mir versicherte es würde einne ganz großartigen Turm geben, war mir, als ehemaliger Routensetzer und Mitorganisator des IWCs, klar, dass sich ein Desaster anbahnt. Da ich aber zu diesem Zeitpunkt ein paar phantastische Wasserfälle im Visier hatte, war ich genügend abgelenkt, mir keine Sorgen mehr zu machen.
Als ich hörte, dass der Weltcup, 5 Tage vor der Veranstaltung, um einen Tag verschoben wurde, war mir klar, dass dies zu großen Missstimmigkeiten bei den Teilnehmern führen würde. Flüge umbuchen und zusätzliche Tage frei nehmen ist halt nicht so einfach und schon gar nicht kostenlos.
Nichts desto trotz fand sich am Freitag Abend ein doch sehr internationales Teilnehmerfeld (Japan, Korea, Ukraine, Russland, Österreich, Deutschland, Schweiz, Italien, Norwegen, Holland, Schweden, Tschechien) im Expertenpub (nomen est omen!) ein.
Obwohl es wahrscheinlich dank Jasna und André (slowenische Judge, Routensetzer und Retter in letzter Not) dann doch noch einen einigermaßen vereisten Turm zu bewundern gab, war klar, dass ein professionelles Finale hier sehr schwer durchführbar sein würde. Somit wurde entschieden das Herrenfinale in einem mixed Klettergebiet nahe Gol abzuhalten.
Bei minus zwanzig Grad war zumindest für uns Mitteleuropäer das Etappenziel des ersten Tages klar definiert: Möglichst lange die Füße vor irgend einen Kamin halten und nicht erfrieren. Dass wir die Isolationszeit nicht in einem Tippiezelt mit einem kleinen Lagerfeuer verbringen wollten, bedurfte einiger Überredungskunst. Schlussendlich fanden wir uns aber dann doch alle im Experten Pub ein. Die Open- und gleichzeitig Semifinalroute fanden wir dann trotz des doch eher improvisierten Turmes, sehr gut gelungen und eine homogene Selektion waren der Lohn für Jasna und André s Mühen. Beim Damenopen wurde mir eher Angst und Bange, da die Route nur wenige Meter oberhalb einer Plattform verlief. „Beim Einhängen bitte auf keinen Fall stürzen!“ war die Devise. Das Finale verlief klar wie eh und je: Ines konnte durch brachialen Bizepseinsatz als einzige den weiten Zug vom ersten zum zweiten Eiszapfen meistern und gewann auch den letzten Weltcup. Wird Zeit das sie mal bei den Herrn startet!
Beim Herrenfinal am Sonntag in Golsjelvet gab es dann kein entrinnen. 11 Finalisten quetschten sich in ein kleines Tippie mit Minniofen und versuchten alle gleichzeitig die Haxen übern Ofen zu halten.
Die zwanzig Meter lange Mixedroute war, nach all den organisatorischen und technischen Schwierigkeiten (auf alle möchte ich hier nicht näher eingehen), dann dank eines sehr begabten und kreativen Routensetzers ohne Vorerfahrung (Markus Landrö) sehr gut gelungen. Von Rissklemmern, gebohrten und natürlichen Hooks bis hin zu Eisglasuren und Abschlusseisvorhang war alles dabei. Mir persönlich kam dies Gott sei dank sehr entgegen, da nach einem zweiwöchigen Eisklettertrip durch Norwegen mehr Eis- als wie Bizepstraining hinter mir hatte. Mit einer guten Portion Glück gelang mir als einziger die Route durch zu steigen und konnte somit den Gesamtweltcup für mich entscheiden. Trotz ganzjährigem Trockentraining bewies Evgeny wieder mal sein Bewegungstalent und fiel nur kurz unter dem letzten Überhang (Platz 2). Unser Tiroler Youngstar Markus, hätte mit seinem übermenschlichen Strom eigentlich nur durchsteigen müssen. Er vergisst aber leider zu oft, dass es auch ein Zeitlimit gibt. (also Platz 3)
Fazit: Eigentlich war das ganze Event vor zwei Wochen schon zum Scheitern verurteilt. Dank unermüdlichem Einsatz einiger einzelnen Personen wurde aber doch noch ein ganz passables Event daraus. Für ein Weltcupfinale keine einzige Krone Preisgeld aufzutreiben, finde ich aber für ein derart reiches Land sehr schwach. (weder Gesamtweltcup noch für den Wettbewerb selbst!)
In Zukunft sollte die ICCIC nicht bei wahnwitzigen Details, wie Antidopingkontrollen beginnen, sondern Basisarbeit in den Vordergrund stellen. Ohne hochwertigem Eisturm wird es keine vernünftigen Routen, keine Kletterer und auch keine Bewerbe mehr geben. So einfach ist die Rechnung.
Solange die UIAA nicht eine Person einstellt und auch bezahlt, die internationale Erfahrung hat, die Verantwortung und Qualitätssicherung (jeweils mind. ein halbes Jahr vor den Bewerben) übernehmen kann, ist der IWC zum scheitern verurteilt.
Fühlt sich irgend jemand angesprochen??

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